Ich bin schon von mehreren Leuten angesprochen worden, bzw. angeschrieben worden was ich denn so den ganzen Tag mache und wie es so ist als Frau hier zu sein.
Bis jetzt ist es mir noch nie langweilig gewesen, ich hatte immer irgendwelche Telefonate zu tun, Leute zu organisieren oder eben auch abzuklären wie oder wo ich was finde. Ihr könnt mir glauben, das braucht hier unendlich viel Zeit. Vorallem da es jeder besser weiss und dir dann eine Wegbeschreibung gibt, die sehr viel Interpretationsspielraum offen lässt. Ein Beispiel:
Ich musste eine Wäscherei für die Anzüge finden, wir haben im Laden wo Fabrizio im Februar einen Anzug gekauft hat, gefragt. Sie haben uns auch eine gute Wäscherei empfohlen. Wir haben nach dem Weg gefragt und da hat man uns den Weg so erklärt: es sei gleich in der Nähe von Fabrizio’s Arbeitsplatz. Einfach die Strasse rauf über die Brücke Richtung 7. Circle und dann gleich rechts bei Musikbox! Ok soweit so gut, dass haben wir auch gefunden, nur von der Wäscherei keine Spur! Ich ging dann in irgendeinen Laden und habe gefragt ob sie die Wäscherei kennen. Der Mann im Blumenladen war auch neu in Amman und wusste nicht, wo sie ist. Aber es liess ihm keine Ruhe und ging mit mir zusammen in den Laden nebenan und hat für mich gefragt (so läuft das hier, die Leute sind wirklich sehr hilfsbereit und nett). Um zur Wäscherei zu kommen mussten wir noch einmal rechts, dann gerade aus bis zum Einkaufsladen und dann links. Super gefunden, das Ganze hat uns eine gute Stunde Zeit gebraucht, nur um die Anzüge zur Wäscherei zu bringen. Auch das Einkaufen hier benötigt länger als zu Hause, ich kann aber nicht wirklich sagen warum! Es ist einfach so!
Ein normaler Tagesablauf sieht folgendermassen aus: Ich stehe mit Fabrizio auf, wir frühstücken zusammen und dann fahre ich ihn ins Büro (nicht mehr lange, dann haben wir unsere Autos – jupiii). Danach gehts ab ins Fitness (auch eine Fahrt von ca. 20 Min.) oder ich gehe wieder nach Hause um den Blog zuschreiben, Emails beantworten oder die alltäglich Hausarbeiten zu erledigen. Oft skype ich auch noch mit meiner Schwester und ihren Töchtern. J! Es gibt auch noch viele kleine Sachen, welche ich in der Wohnung zu erledigen habe, wie Büro aufräumen, Versicherungsangelegenheiten regeln, meine Unterlagen vom Geschäft ordnen, Gartenmöbel streichen usw.... Was aber einen grossen Teil einnimmt, ist irgendwie dem Staub, welchen es hier im Überfluss gibt, Herr zu werden! Mami sei froh, dass du keine glänzenden Bodenplatten geliefert bekommen hast, wie du bestellt hast. Es ist das Schlimmste was man sich vorstellen kann. Du wirst es sehen, wenn du hier bist, ;-)! Schon ist bereits Mittagessenszeit und oft bin ich dann auch mit Fabrizio zum Mittagessen verarbredet oder wir erledigen etwas zusammen. Wohlgemerkt Mittagszeit ist hier nicht wie bei uns um 12, sondern ab 13.30 Uhr! D.h. so gegen 15.00 Uhr gehe ich dann meistens einkaufen. Ohne mich umzudrehen ist es dann auch schon wieder Zeit Fabrizo von der Arbeit abzuholen. Vorher bereite ich meistens etwas für das Abendessen vor, damit es dann schnell auf dem Tisch landet, nachdem ich Fabrizio von der Arbeit abgeholt habe! Natürlich wie es sich für eine gute Hausfrau gehört! Was habt ihr denn gedacht??!? Tja, ich bin selbst erstaunt, ;-)! Lacht ihr nur! Ich weiss tönt nicht gerade sehr spannend, aber ich geniesse es einfach mal keine Druck zu haben und die Zeit so einteilen zu können wie ich es mir wünsche!
Bis jetzt habe ich noch keine massiven Einschränkungen machen müssen. Ich gehe ins gleiche Fitnessstudio wie die Männer, ich benütze das gleiche Schwimmbad, ich kann machen was ich will. Das einzige wo ich wirklich einen Unterschied merke ist auf den Ämtern oder auf den Banken! Was ich auch gemerkt habe ist, dass sich die Männer mir gegenüber anders verhalten, sobald Fabrizio dabei ist. Ohne Fabrizio reden sie mit mir, geben mir teilweise sogar die Hand! An was man sich auch gewöhnen muss, sind die Pfiffe – ich verstehe nicht warum man mir nachpfeift, aber das müssen die ja wissen! Aber ehrlich gesagt, ist es nicht anders, als in Italien oder wenn man bei einer Baustelle in der Schweiz vorbeiläuft! Ich habe auch meine Kleider an, welche ich bereits zu Hause getragen habe, ich habe nichts neues hier gekauft! Teilweise muss ich sogar sagen, dass die lokalen Frauen hier offenherziger rumlaufen als ich. Also Frauen, ihr seht kein Problem! Teilweise ist es eher umgekehrt, dass ich das Gefühl habe, hier wird man als Frau behandelt und die Herren sind noch Gentlemen – sorry Männer zu Hause, aber es ist so!
Ein Beispiel: Ich habe die Kisten mit Papierkram fürs Büro von Fabrizio, welche wir verschifft habe, mit dem Auto zu Fabrizio ins Büro gefahren. Gleichzeitig ist ein Kollege von Fabrizio mit mir in der Tiefgarage gewesen. Ich habe mir nichts überlegt und angefangen die Kisten aus dem Auto auszuladen und zum Lift zu tragen. Da kam der Kollege gesprungen und hat gesagt, ich solle warten dies sei nichts für mich. Er rufe gleich Ahmad (weiss nicht mehr wie er geheissen hat, aber irgendwie so), der soll die Kisten rauftragen. Gut ich habe gewartet und gedacht: hmmm eigentlich hätte er mir ja gleich helfen können, dann wären wir jetzt schon oben....! Aber das sind eher europäische Gedanken.... ;-)! Dann kam auch schon der Abwart vom Gebäude aus dem Nichts hervor und hat mir gentlemenlike die Kisten in den Lift getragen und dann bis an den Empfang! Leider war dann Ahmad vergebens in die Tiefgarage gegangen, aber er hat dann die Kisten vom Empfang in das Büro von Fabrizio tragen dürfen... und ich bin die ganze Zeit nebenan gelaufen und habe nichts getan, ;-)!
Tja so ist es hier, ihr dürft euch gerne selber ein Bild machen falls ihr uns besuchen kommt! Klar ist es nicht wie zu Hause, aber das ist es schon in Deutschland oder in Italien nicht mehr. Es gibt gewisse Dinge die sind hier so und danach muss man sich halten. Aber im täglichen Leben schränkt es mich nicht ein. Ich denke als lokale Frau sieht es wahrscheinlich ein bisschen anders aus.
Ich hoffe ich habe euch nicht gelangweilt mit meinen Ausführungen und falls ja, denkt daran hier kommunziert man indirekt nicht direkt :-)! Hebet Sorg und bis bald!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen